Ausstellung:
Wanderlusttheaterloge
Fotografie, Installation, Zeichnungen, Malerei, Edition
Christoph Schneeberger
Marcel Schneeberger + Lebenskraft Entertainment präsentiert
Multimedia, Video, Installation, Edition
Marcel Schneeberger
Eröffnung: Mittwoch, 4. März 2003, ab 18Uhr
Ausstellung bis Samstag, 9. März 2003
Maskeraden, Paraden, Tiraden (...) Wege und Abwege der Passion, Schach- und Demonstrationszüge der Inpassion, wusste ich es nicht besser, als auf- Teufel- komm- raus den Göttern auf ihren Pappnasen herum zu tanzen. Und am Morgen nach dem Tanz, wer ist noch da? Christoph Schneeberger zum Wanderlusttheater.
Im März versuchen Les Complices* mit den Brüdern Christoph und Marcel Schneeberger (*1976/*1978) der Winter-depression, der Frühlingsmüdigkeit und der allgemeinen Verunsicherung angesichts weltlicher Ereignisse und Entwicklungen ein Schnippchen zu schlagen. Christoph und Marcel Schneeberger haben ihre Jahrmarktbuden aufgeschlagen und preisen uns in einem sinnlichen, ernsthaften und gleichzeitig fast übermütigen, lebens-hungrigen Tohuwabohu ihre Waren an. Hofnarr oder Lumpensammler, Gaukler, Tätschmeister und Wandergeselle, fahrender Schüler und zugleich Lehrer, als Transvestiten Faust oder Mephisto, zieht es Christoph Schneeberger von einem Schauplatz einer sich immer wieder gebärenden Tragödie zum nächsten. Es ist eine unbändige, rücksichtslose und wilde Wanderlust, diese Suche; das Finden, Bewahren und Verlieren, das Zerstören und beraubt werden von dem was verborgen in und um uns, überall und immer, schlummert. Das was uns ein Gefühl der Vollkommenheit zurückzugeben scheint, etwas erhabenes vielleicht, die Schönheit und Lust, das Fremde in uns, das sich erst beim Bewusstwerden über dessen Vergänglichkeit überhaupt als solches entpuppt. Und sich somit die Tragödie einen weiteren Akt genehmigen muss. Keine Sprache und kein Ort, von Ligurien nach Bosnien, von Nizza nach Los Angeles, am Ufer des Zürichsees und in Techno Clubs, nichts könnte dem Getriebenen ausreichen um diese Suche zu beenden, sie festzuhalten oder einzugrenzen. Immer wieder muss er sich, und wir uns als sein Publikum, diesem Schauspiel in seiner unterschiedlichsten Form hingeben. Vielleicht um dieses Gefühl der Unvollkommenheit zu bewältigen. Christoph Schneebergers Wanderlusttheaterloge setzt sich aus Bruchstücken, als Strandgut all dieser Reisen zusammen. Ein Archiv aus sieben Jahren Suche, öffnet sich dem Besucher in Schneebergers zirkuszelt- ähnlicher Rauminstallation durch seine Fotografien, Texte, Worte, Zeichnungen und Videos ein eigentliches Gauklerschauspiel, in dem der Besucher sich wie in einem Theaterstück öffnen und einem allumfassenden Sinnesverwirrspiel hingeben kann. Marcel Schneeberger hat die Suche nach Vollkommenheit, nach Glück und Seelenfrieden auf eine uns aus- Funk- und- Fernsehen bekannte Art und Weise spielerisch umgesetzt. Schneeberger und seine anonymen Komplizen haben mit viel Humor, Ironie und dennoch grossem Aufwand und Gewissen- haftigkeit die Lebenskraft Pille entwickelt. Mit Bezügen zur Technokultur und zu Astronautenfood, ist eine komplette Corporate Identity entworfen worden, mit Internet Auftritt, Videos und Brochuren, die Nichts als Lebenskraft pur verspricht. Nie war es einfacher, glücklich zu sein. Zweifel, Müdigkeit, Lustlosigkeit wurden nie formschöner und praktischer aus unserer Welt geschaffen. Ueber Abhängigkeit und Nebenwirkungen ist nichts bekannt. Falls solche Symptome auftreten sollten, empfiehlt sich, eine doppelte Ration Lebenskraft zu geniessen!
Jean Claude Freymond-Guth / Les Complices*