02.05.2007
19.05.2007
Ausstellung
 
 

Die Organisation der Liebe

Nele Stecher

Das Fotografieren innerhalb der Beziehung und der Familie dient meistens dazu perfekte Momente in perfekten Beziehungen festzuhalten. Die Dinge sollen nicht nur so gezeigt werden wie sie sind, sondern auch so wie sie sein sollten. In den Werkgruppen Family Portait und Die Organisation der Liebe wird die Beziehung als Ort der Sicherheit bezweifelt. In den Foto- und Textkombinationen werden gesellschaftliche Benimmregeln, die dem Schaffen und Erhalten von Harmonie und "Normalität" dienen, mit bissigem Humor kommentiert und durch einen trockenen Erzählton, pointiert demaskiert.

In Family Portrait ist vorhandenes Bildmaterial aus dem Fotoalbum Ausgangspunkt der Arbeit. Auf den Bildern sind Personen zu sehen, die sich perfekter verhalten, als im wirklichen Leben. Insbesondere auf Ferienbilder werden Idealposen eingenommen, deren konstruierter Charakter mit einem zustimmenden Lachen in die Kamera überdeckt wird, um ein Höchstmass an unbeschwerter Lebenszeit zu garantieren und für immer festzuhalten. Diese Fotografien, die so beiläufig entstanden zu sein scheinen, werden in Family Portrait zu inszenierten Arrangements, deren Aufgabe es ist einen unersetzlichen Beitrag zur Stabilisierung einer scheinbar intakten Gemeinschaft zu leisten. Durch die Methode der Re-Inszenierung dieser vertrauten und bekannten Bilder werden die authentisch wirkenden Familienfotografien auf ihre Glaubwürdigkeit hin überprüft und das Fotoalbum als lückenhaftes Gedächtnis entlarvt.

Die Organisation der Liebe widmet sich der Frage, wie Bilder aussehen könnten, die nicht durch einen, die Alltagsrealität idealisierenden Blick, geformt sind. Die Werkgruppe befasst sich mit Störungen im Alltag und dem Moment, in dem die normalerweise angestrebte Beschönigung der Dinge scheitert. Die Fotos sind an die gängigen Motivbildungen der Alltagsfotografie angelehnt, verlassen jedoch die vertrauten Bildtopoi. In den Texten, in denen vordergründig von alltäglichen Situationen berichtet wird, werden Abgründe spürbar, die sich hinter dem Banalen verbergen könnten. Zudem kommen eigenwillige aber meist wenig effiziente "Überlebensstrategien" zum Vorschein.

Links: www.nelestecher.ch