SURPRISE*SURPRISE: WINDOW PAPER BULLETIN

Simone Schardt / Wolf Schmelter

Unter dem Motto SURPRISE*SURPRISE laden die beiden Kunstschaffenden Simone Schardt und Wolf Schmelter 2007 das Jahr hindurch in schöner Unregelmässigkeit zu kontrolliert unkontrollierbaren Ereignissen bei den Kompliz_innen ein. Ziel dieser Interventionen ist nichts Geringeres als eine neue Form der Wahrnehmung von künstlerischen Prozessen, fernab der bekannten Formate und Kategorien.

In der Umbauphase vom 23. bis 30. Mai 2007 installieren Simone Schardt und Wolf Schmelter im Schaufenster von Les Complices* eine Wandzeitung der Abgründe und Zusammenbrüche, die sie gerade fluchend in ihrem Atelier zusammenschustern. Wenn das mal gut geht!


Text im Schaufenster:

So, what do you do?
Wenn hierzulande Relevantes in der Welt der Kunst geschieht, ist Xandi nicht weit. Bluff und Schummel werden in der Welt der Kunst sofort geahndet. Erfolg ist die Ehrlichkeit der Methode. Zu den persönlichen Ritualen des Jugendlichen gehörten Besuche in der Kunsthalle Bern. Ein sympathisches grosses schwarzes Loch, von dem du sofort verschluckt werden willst. Die Mischung aus Ambivalenz und Lockerheit macht seine Truppe subversiv. Ethik ist berufs-gruppenabhängig. What do you mean by that?

After a fantastic holiday in Egypt I was full of dread opening my entourage email programme on monday morning. It's not so much the 200something emails that are in each of the 3 mailboxes but the ones that inform you about a rejected sponsorship remind you of overdraft in your bank account or just mean an emergency day of extra work. The ocean of money covers all. Die Kuchenteller sind besonders schön, die Grenze zwischem dem glasierten und dem unglasierten Teil gibt eine scharfe Linie, die sehr modern ist. Das ist Sich-gut-fühlen in Zürich. As an 8 page single girl story. We absolutly must leave the gallery before 13:00 or we will be blocked! No risk, no fun. On the other hand I thought well, wherever I go in Zurich I know at least 10 people to talk to, so I went there. Och, nee, der schon wieder. Of course I know your name, it's just that we had never been introduced. Welcome. Geniessen Sie Hodlers “Der Holzfäller” ohne an Ihre Aktienfonds denken zu müssen. Wollte er was von dir? Hat er dein Klo verpinkelt? Ethik ist doch nicht berufsgruppenabhängig. Ein echter Gewinn.

Die Ideologie des Kunstsystems beruht auf einem Gewinnversprechen, das die Allianz aus KünstlerIn, Galerie, Museum und KuratorIn zu projizieren vermag. The ideology of the art system is based on a promise for profit, which the alliance of artist, gallery, museum and curator is going to project onto. Especially careful I was with my hair, it was actually a bit too long already and needed cutting. So I washed it carefully and put it into place in a 15 minute hairdrying session. I decided for “understatement” (simple but chosen, unassuming but very expansive). And I decided to wear a light blue shirt by Boss (they say it's easy ironing: what a load of bullshit), orange-brownish cord trousers by Bogner and dark brown winter shoes by Kandahar. Ich möchte Menschen in Schwingungen versetzen. Vielen Dank. Wir sind Komplizen für die Kultur. Kultur ist nicht nur ein Cüpli-Thema, es geht im Leben um mehr als Shopping. Oh, really? Teile und Herrsche. Die Leitung des Museums umfasst im Wesentlichen die Durch-führung begleitender Aktivitäten des Museums, die dessen Attraktivität fördern und es einem erweiterten Publikum öffnen. Was ist ein erweitertes Publikum? Hat es Haare in der Nase? In den Ohren? Trägt es ausgeleierte Bündchen? Who will clean up in the end?

Oh, let's get personal. So, what do you do? Oh, really? Mein Leben nach dem Koma ist auch mein Leben vor dem Koma. Es geht einfach weiter. Im Koma. Zugleich befassen sie sich mit der Frage danach, wie sich das Individuum und sie selbst als Künstlerin und Frau in diesen Rollen positionieren können. Spezifische Intervalle visueller Verödung. This is a mirror. Und, wo kann man deine Arbeiten denn mal sehen? Ich habe ein paar Mal versucht, kleine schwarze Dessertteller von El Lissitzky mit einem grossen roten Punkt in der Mitte, die ich auf schlechten Abbildungen in Auktionskatalogen gesehen habe, zu kaufen... nie erfolgreich. Man könnte also sagen, das ist mein glänzender Ersatz. Das ist ja eine ganz eigene Position. Widmen wir uns einen Abend lang dem unendlichen Fundus an Alltagswissen der Science City Zürich. Wir potenzieren die pädagogischen Erkenntnisse der letzten Jahrhunderte von Pestalozzi bis Schwarmtheorie und präsentieren ein Wissen jenseits der Elfenbeintürme. Eintritt 35.- CHF. Do we expect gratitude? Da herrscht ein Mangel an Kultur. Es gibt keine Staatskunst. Nur einen Steinwurf von den Messehallen entfernt. Herz, was willst du mehr? Ever is over all. Over is ever all. Over is over all. A bird in a tree sings a mobile melody.

Text: Simone Schardt / Wolf Schmelter

Links: www.simoneschardt.net  www.wolfschmelter.net