Close Viewing: "Blind Spot" und "eine Recherche zu Feminotopien"

Riikka Tauriainen und Claudia von Alemann

Wir freuen uns sehr auf das erste Close Viewing bei Les Complices* in diesem Jahr! Wir schauen zusammen den Film Blind Spot von Claudia Von Alemann (1980, deutsch mit englischen Untertiteln, 1St.51Min.) aus der Cinenovafilmsammlung. Davor wird die Künstlerin Riikka Tauriainen Einblick geben in ihre aktuelle Recherche zu Feminotopien, unter anderem zu Flora Tristan, um die es auch im Film geht. Tauriainens Recherche zu Feminotopien entsteht als Teil des kollaborativen Kunstprojekts [f: la répète], das gerade in Zürich bei le Foyer stattfindet. Ihre Recherche setzt sich kritisch mit der Frage auseinander, wie privilegierte Frauen in der Kolonialzeit gereist sind und untersucht die Beziehungen von Kolonialismus und Kapitalismus in der patriarchalischen Gesellschaft. Sie beschäftigt sich auch mit den Zugängen postkolonialer Kritik auf historische und gegenwärtige Machtverhältnisse.

Flora Tristan war eine Feministin und sozialistische Autorin des 19. Jahrhunderts, die wenig Erwähnung findet in konventionellen Geschichtsbüchern. Im Film Blind Spot von Claudia von Alemann geht es um eine Historikerin, die das Leben von Flora Tristan erforscht. Auf ihrer Suche danach eine Möglichkeit zu finden, um sich aktiv zu erinnern und um die Vergangenheit zu verstehen, entscheidet sich Elisabeth, die Historikerin dazu, die traditionelle, schreibtischgebundene Forschung und ihre Familie zurückzulassen und Lyon zu besuchen, wo Tristan gearbeitet hatte.



Flora Tristan war aktiv in der feministischen Bewegungen in den frühen 1830er Jahren, sie setzte sich für das Recht auf Scheidung ein und gegen Geschlechterzwänge. Nachdem sie 1833-34 ein Jahr in Peru gelebt hatte, radikalisiert und ermächtigt durch ihre peruanischen Erfahrungen, wurde sie eine der berühmtesten vormarxistischen Sozialistinnen von Frankreich; zu einer Gründerin der Arbeiterunion.



Close Viewing ist ein Format, in dem das Sprechen über und mit Filmen und Videos aus und mit feministischen Beweggründen stattfinden kann. Ausgehend von der Film- und Videosammlung von Cinenova wollen wir einmal im Monat zu einem Filmabend zusammenkommen, Filme schauen und gemeinsam darüber sprechen (lernen). Zu jedem Filmabend wird ein_e Künstler_in eingeladen, die eine eigene Arbeit zu einem Film aus der Sammlung in Bezug setzt und zur Diskussion stellt.



Cinenova ist eine ehrenamtlich geführte Organisation in London, die sich der Erhaltung und Distribution feministischer Film- und Videoproduktionen widmet. Cinenova entstand 1991 aus dem Zusammenschluss von Circles und Cinema of Women, die beide in den frühen 1980ern gegründet wurden. Aktuell sind über 500 Titel im Verleih, darunter Experimental- und Spielfilme, Künstler_innenfilme und –videos, Dokumentationen und Lehrfilme von den 1920ern bis heute. Inhaltlich sind die Schwerpunkte: Postkoloniale Kämpfe, Gegengeschichte(n), Haus- und Fürsorgearbeit, Repräsentation von Geschlecht und Sexualität, sowie die Verbindungen zwischen diesen verschiedenen Auseinandersetzungen.

http://cinenova.org

Videostill des Filmes _Blind Spot_

Videostill des Filmes Blind Spot